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3. Feb 13

Die Renaissance des Scrolling

Bis vor kurzem lautete eine Forderung der Usability Experten, dass im Kontext einer Website auf längere Seiten verzichtet werden muss, um vertikales Scrolling zu vermeiden. Aus ersten Untersuchungen von Jakob Nielsen Anfang der neunziger Jahre stammt die Erkenntnis, dass die meisten Nutzer nicht scrollen. Jahrelang galt die Empfehlung für Webdesigner Inhalte möglichst so aufzubereiten, dass Scrolling überflüssig wird. Nach Usability-Studien aus den neunziger Jahren haben die meisten Nutzer Inhalte unterhalb der Scrollbarriere gar nicht wahrgenommen. Die daraus abgeleitete Usability Richtlinie, wichtigen Inhalt "above the fold" zu platzieren, also im zunächst sichtbaren Bereich der Webseite, hat nun fast zwei Jahrzehnte Bestand.

Nun sagt auch Nielsen, dass die Nutzer zukünftig scrollen werden. Eine breit angelegten Eyetracking-Studie brachte 2010 das Ergebnis, dass zwar nach wie vor die Aufmerksamkeit der Betrachter auf Inhalte über der Scollbarriere gerichtet ist, allerdings wird nun gescrollt. Die Nutzer beschäftigen sich zu achtzig Prozent ihrer Besuchszeit mit dem oberhalb der Scrollbarriere angezeigten Inhalt. Auch verringert sich die Bereitschaft eine Seite zu lesen mit ihrer Länge. Dennoch bringt die Zusammenfassung von Information auf einer Seite auch Vorteile.

Scrolling schlägt Klicken

Lange Artikel werden besser als scrollbare Seite präsentiert, denn auf mehrere Seiten verteilt. Die Nutzer haben inzwischen weniger Hemmungen nach unten zu scrollen, als die Entscheidung für den Klick zur nächsten Seite zu treffen.

Mit Verbreitung der Smartphones und Tablets wird das Scrolling zu einer Schlüsselqualifikation für schnelles Navigieren. Inhalte, die für mobile Devices publiziert werden, erreicht man in der Regel über scrollbare Listen. Ebenso dienen Listen dem Bedienkonzept der meisten Apps. Bei schwächeren Bandbreiten im Mobilfunknetz sind einmal geladenen Inhalte schneller verfügbar.

Mehr Scrollen - weniger Klicks

Schon ist ein Designtrend im Web spürbar. Aktuelle Kampagnen von Nike oder Produkte von Apple präsentieren sich auf langen scrollbaren Seiten. Es entstehen mehr und mehr "One Page"-Webauftritte, auf denen der gesamte Inhalt eines Webauftritts auf einer scrollbaren Seite angezeigt wird.

Fazit

1. Scrolling ist probater Bestandteil des Navigationskonzepts.

2. Wichtige Inhalte müssen "above the fold" angezeigt werden.

3. Die Nutzer müssen erkennen, dass sich das Scrollen lohnt.

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